Elke Twesten im Gespräch mit Mert Kan Kaya und Leon Tute

 

In den vergangenen beiden Wochen standen Elke Twesten und ihr Wechsel von den Grünen zur CDU bundesweit in den Schlagzeilen. Die politischen und persönlichen Konsequenzen, die dieser Übertritt nach sich zieht, sind massiv. Der Verlust der Einstimmenmehrheit der Rot-Grünen Landesregierung und die vorgezogene Neuwahlen am 15. Oktober 2017 auf der politischen Bühne stehen der Frage gegenüber, welche Perspektive die langjährige Grünen-Abgeordnete nun beruflich  in der CDU hat.

Auf die aktuellen Äußerungen des CDU-Europaabgeordneten Burkhard Balz und des CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann, dass sie kaum Karrierechancen innerhalb der CDU zu erwarten habe, entgegnete sie: „Für alle Mutmaßungen ist es zwei Wochen nach dem Parteiwechsel zu früh.“ Außerdem müsse sie die Frage, wie es mit ihr weiterginge, mit sich selbst ausmachen. Unter dem Eindruck des vorausgegangenen Gottesdienstes hatte sie am vergangenen Donnertagmorgen etwas theatralisch geäußert: „Niemand kann in meine Seele blicken.“ Damit spielte sie auch auf die tiefen Kränkungen durch die vielen Hassbekundungen im Netzt an.

Frau Twesten wird zunächst auf kommunaler Ebene arbeiten, so mutmaßte Elke Lorberg (stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im niedersächsischen Landtag) noch vor wenigen Tagen bei einer Podiumsdiskussion in der IGS Garbsen. Frau Twesten selbst ist sich sicher, dass sie mit ihren Kompetenzen aus der Frauen-, Finanz- und Schifffahrtspolitik eine neue  Stelle finden wird. Aber noch könne man nichts darüber sagen, ob dies wieder in der Politik, beim Zoll oder in der Industrie sein werde.

Die Vermutung, dass die CDU ihr ein unmoralisches Angebot zum Parteiwechsel gemacht und sie sich habe kaufen lassen, verneinte sie. Diese Unterstellung sei durch ein Gespräch mit ihrem ehemaligen Parteikollegen Helge Limburg entstanden, das falsch widergegeben worden sei. „Du lässt dich doch nicht kaufen, wenn da denn ein unmoralisches Angebot käme?“, so zitiert Twesten Limburg ihr gegenüber am Rande der Plenarsitzung. Twesten betont, sie habe sofort ab gewunken.  „Von einem (konkreten) Angebot (seitens der CDU) war nie die Rede.“ Vielmehr habe in den vielen Gesprächen die Frage im Zentrum gestanden, was denn in der CDU auf sie zukommen werde.

Frau Twesten begründet ihre Entscheidung, das Landtagsmandat trotz des Parteiwechsels nicht niedergelegt zu haben, um einem grünen Nachrücker Platz zu machen, mit Bezug auf die Niedersächsische Verfassung und das Grundgesetz. Hier stünde geschrieben, dass das Mandat nicht der Partei, sondern dem Abgeordneten gehöre. Ihr sei es wichtig, ihre grünen Wähler auch weiterhin zu unterstützen. Gegenüber ihrer ehemaligen Partei, den Grünen, habe Sie kein schlechtes Gewissen.  „An dieser Stelle, habe ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen, ganz im Gegenteil, da müssen sich andere Leute fragen, ob sie meine Ansätze nicht ernsthaft genug verfolgt haben.“

In den sozialen Foren wurde ihr ein unakzeptabler „Shitstorm“ entgegen getragen. Trotz der verletzenden Hasskommentare hat Twesten vieles gelesen, denn die öffentliche Meinung sei ihr wichtig. Sie betonte wiederholt, dass sie mit sich im Reinen  sei und ihr Gewissen ihr innere Ruhe gäbe. Zum Glück bekäme sie neben der Kritik auch Zuspruch aus allen Teilen der Bundesrepublik, von Grünen und anderen Politikern, doch darüber würde in der Presse leider  nicht berichtet!

Das Wissen um den Politikbetrieb sei, so Twesten, erschreckend zurückgegangen. Es sei deshalb sehr wichtig, junge Menschen mit Politikern zusammen zu bringen und sie für Politik zu interessieren!

  Das gesamte Team am ersten Tag mit Elke Twesten.

 

Von Leon Tute

Der Artikel entstand mithilfe von Frau Natalie Deseke von der Landesinitiative n21 im Kontext der Berichterstattung zum Augustplenum im Niedersächsischen Landtag (Schulen in Niedersachsen online e.V., alle Artikel unter: www.online-redaktonen.de).

JSN Megazine template designed by JoomlaShine.com